Arthur Abraham kämpft um die Weltmeisterschaft

Der Deutsche ist dabei im größten Boxturnier der Geschichte

18.07.2009 Marco Theuer

Im Oktober 2009 startet das beste Boxspektakel aller Zeiten. Sechs Weltklasseboxer treten in einem WM-Turnier gegeneinander an, um den wahren Ringchampion zu finden.

„Es ist schon schwer, sich mit zwei Promotern einig zu werden. Deshalb bin ich stolz, dass wir es geschafft haben, die Kämpfer von fünf Promotern in dieses Turnier zu integrieren“, erklärte Ken Hershman, Vizepräsident des US-Fernsehsenders Showtime und Hauptverantwortlicher für das Zustandekommen des einzigartigen Supermittelgewichtsturniers.

Neue Boxserie – „Super Six World Boxing Classic“

In den ersten drei Runden der Gruppenphase wird jeder Kämpfer in 12 Runden-Fights gegen drei unterschiedliche Gegner antreten, um Punkte (Punktsieg: 2 Punkte, Unentschieden: 1 Punkt, plus 1 Punkt für Ko/TKo.), zu sammeln. Danach erreichen die vier Boxer mit den meisten Punkten das Halbfinale. Im Frühjahr 2011 soll es zum Finale kommen. Der Gewinner erhält eine Sieger-Trophäe. Darüber hinaus winken ihm neben lukrativen Einnahmen der WBC- und der WBA-Titel. Die sechs WM-Teilnehmer dieses Superboxturniers kommen je zur Hälfte aus Europa und aus den Vereinigten Staaten.

Arthur Abraham (GER) gegen Jermain Taylor (USA)

Der Auftakt des WM-Turniers ist für Oktober 2009 geplant. Dann soll der Deutsche Arthur Abraham (30-0, 24 Knockouts) zu seinem ersten Einsatz bei der Super-Mittelgewichts-Serie kommen. Der frühere IBF-Weltmeister kämpft zunächst gegen den Amerikaner Jermain Taylor (28-3-1, 17 Knockouts). „Ich will nicht einfach nur am Turnier teilnehmen, ich will auch gewinnen. Darum werde ich künftig doppelt so hart trainieren wie bisher“, versprach der 29-jährige Abraham. Doch auch der einst uneingeschränkte Mittelgewichts-Champion Taylor geht mit großen Ambitionen in die Begegnung. „Das Turnier ist das Beste, was dem Boxsport passieren konnte“, so der 30-jährige Kämpfer aus Little Rock im US-Bundesstaat Arkansas. „Ich habe mein Leben vollkommen dem Boxsport verschrieben und werde alles geben.“

Mikkel Kessler (DÄN) gegen Andre Ward (USA)

In der ersten „Super Six World Boxing Classic“-Runde werden auch der WBA-Weltmeister Mikkel Kessler (41-1, 31 Knockouts) aus Dänemark und der Olympiasieger von 2004, Andre Ward (19-0, 12 Knockouts), ihre Fäuste kreuzen. „Es ist schwer zu sagen, wer ins Finale kommt. Doch ich werde auf jeden Fall dabei sein“, meinte Kessler selbstbewusst, „Ward ist ein starker Mann, doch ich bin in diesem Turnier der Kämpfer mit der größten Erfahrung“. Dem hielt der 25-jährige Ward, der seit 1996 keine Niederlage – weder als Amateur noch als Profi – kassierte, entgegen: „Auch ich möchte im Jahr 2011 im Finale zu stehen. Zuerst trete ich gegen Mikkel Kessler an. Ich bin dieser Herausforderung gewachsen und glaube an mich.“

Carl Froch (ENG) gegen Andre Direll (USA)

Im dritten Auftakt-Duell bekommt der WBC-Champion Carl Froch (25-0, 20 Knockouts) den 26-jährigen Amerikaner Andre Dirrell (18-0, 13 Knockouts) vor die Fäuste. „Ich bin sehr stolz, ein Teil des Turniers zu sein. Ich bin ein großer Puncher und freue mich schon darauf, die ersten drei Punkte einzufahren“, erklärte der 32-jährige WBC-Titelträger aus Nottingham. Dennoch dürfte dem Briten klar sein, dass sein Fight gegen Dirrell keine leichte Sache wird. Das sah auch der Amerikaner so, der beidhändig als schlagstark gilt und in der Normal- wie auch in der Rechtsauslage boxen kann. „Ich werde im Finale dabei sein und bin mir sicher, dass ich die Titel nach Amerika holen werde“, sagte er.

Mit Suite101 zum Boxexperten: wichtige Fakten zum Fachsimpeln!

Jedes Land, in dem das Profiboxen legalisiert ist, hat einen Boxverband, der diesen Sport kontrolliert. Die meisten Länder sind Mitglieder in Weltverbänden, die die WM-Kämpfe genehmigen. Die wichtigsten: WBA (gegründet 1962), WBC (1963), IBF (1983) und WBO (1988). Es gibt keinen Champion, den alle vier etablierten Weltverbände anerkennen. So werden in den meisten Gewichtsklassen vier Weltmeister geführt.

Warum ist das Turnier etwas Besonderes im Boxgeschäft?

Was von den Berufsboxverbänden zu halten ist, hat 1993 der damalige Weltmeister Riddick Bowe (USA) anschaulich demonstriert. Der unumstrittene Champion der WBA, WBC und IBF warf den WBC-Gürtel vor laufenden Kameras in die Mülltonne. Denn die vier Weltverbände sind ein Produkt des amerikanischen Fernsehens. Die Privaten, die Sportkanäle und das Pay-TV finanzieren das Boxgeschäft. Welcher Drei-Buchstaben-Weltmeister im Fernsehen letztendlich gezeigt wird, ist dabei eigentlich unerheblich. Bei 17 Gewichtsklassen und vier Verbänden sind Weltmeisterschaftsfights ohnehin Massenware.

In grauer Vorfernsehzeit bemühten sich drei anerkannte Autoritäten um Einheit. Nach dem Prinzip: Nur einer kann Weltmeister sein. Die New York State Athletic Commission, die National Boxing Association (Vorgänger der WBA) und Nat Fleischer, der Herausgeber des Fachorgans „The Ring“, bildeten diese Dreifaltigkeit. Es galt der Grundsatz: Titel können nur im Ring gewonnen und verloren werden. Heute gilt nicht einmal der erste Teil des Prinzips. Die WBC holte den Gürtel „wieder aus der Mülltonne“ und kürte Lennox Lewis ohne Titelkampf zu seinem neuen Weltmeister. Darum ist das neue Boxturnier im Boxgeschäft eine kleine Sensation: sechs absolute Spitzenboxer treten gegeneinander an, um einen wahren Champion zu ermitteln, der sich diesen Titel dann redlich erkämpft hat.

So wird ein Boxkampf gewertet:

Das Kampfgericht besteht beim Profiboxen aus drei Punktrichtern, die direkt unterhalb des Rings sitzen. Sie notieren sich die Treffer und vergeben nach jeder Runde Punkte, zehn für den Sieger, neun für den Verlierer. Nach internen Verbandsvorschriften darf keine Runde unentschieden bewertet werden. Jede Runde wird für sich gepunktet. Gewertet werden Angriff, Verteidigung, Wirksamkeit des Schlages, Ausdauer und Kampftaktik, korrektes Boxen und Verhalten. Bei Verwarnung oder nach Anzählen wird ein Punkt abgezogen. Punktsieger ist, wer nach der letzten Runde die meisten Punkte auf dem Zettel hat.

Warum der Boxring nicht rund ist:

Früher fanden die Fights in jeder Umgebung statt. Das Wort „Ring“ in Boxring kommt von dem Ring/Kreis, den die Schaulustigen um die Kämpfer bildeten, und existiert in dieser Bedeutung im Englischen seit dem 14. Jahrhundert. Erst im ersten Regelwerk (1743) des Engländers Jack Broughton sind die Maße der Box-Fläche erwähnt. Auf der Boxbühne musste mit Kreide ein Quadrat von 91 x 91 cm markiert werden. Die Ringseile wurden erst mit der Weiterentwicklung der Boxregeln 1889 eingeführt.

Warum aus „Schlumpfboxer“ Abraham König Arthur“ wurde:

Zu Anfang seiner Profikarriere marschierte Abraham mit riesiger Schlumpfmütze und dem „Lied der Schlümpfe“ von Vader Abraham in den Boxring. So lächerlich diese Vermarktungsidee der Sauerland-Promotion auch anmutete, verschaffte sie Abraham doch vor allem in der Boulevardpresse hohen Wiedererkennungswert. 2006 wurde ihm jedoch die Nutzung der Comicfiguren und des Liedes für Boxveranstaltungen von den Rechteinhabern mittels einer Unterlassungserklärung verboten. Daraufhin wurde aus „Schlumpf Abraham“ der „König Arthur“ und die Mütze durch eine Krone ersetzt.

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