Abraham gegen Dirrell – Boxvorschau Super SixAbrahams zweiter Kampf im größten Boxturnier der Boxgeschichte
Profiboxen: Der unbesiegte Arthur Abraham kämpft in den USA im Super-Sechs-Turnier gegen den Amerikaner Andre Dirrell. Die ARD überträgt die Boxweltmeisterschaft live.
Profiboxer Arthur Abraham bestreitet seinen zweiten Kampf im Rahmen des Super-Six-Boxturniers gegen den Amerikaner André Dirrell am 27. März in den USA. Der Deutsche Abraham war in das Supermittelgewichts-Turnier im vergangenen Oktober in Berlin mit einem K.o.-Sieg über Dirrells Landsmann Jermain Taylor gestartet. Abraham führt derzeit die Turnierwertung der besten sechs Supermittelgewichtler der Welt mit drei Punkten vor WBA-Weltmeister Andre Ward (USA/2 Punkte) und WBC-Weltmeister Carl Froch (Großbritannien/2 Punkte) an. Arthur Abraham gegen Andre Dirrell - Gegenüberstellung1. Physis Normalausleger Abraham (30) hat eine Größe von 1,78 Meter und eine Reichweite von 1,83 Meter. Sein Gewicht beträgt circa 76 Kilogramm. Rechtsausleger Dirrell (28) ist 1,88 Meter groß, hat eine Reichweite von 1,91 Meter und ein Kampfgewicht von ebenfalls rund 76 Kilogramm. 9:10 2. Amateurboxausbildung Beide verfügen über eine solide Ausbildung als Amateurboxer. Dirrell hat international mehr Erfahrung vorzuweisen und holte sich bei den Olympischen Spielen 2004 die Bronzemedaille. 9:10 3. Vorbereitung / Kondition Abraham gilt im Boxtraining als „fauler Hund“, doch sein Trainer Uli Wegner machte dieses Manko bislang durch seine „eiserne Hand“ bei der Vorbereitung wett. Trotzdem zeigte der Deutsche hin und wieder leichte Ausdauerprobleme. Allerdings kam der geborene Armenier mit dem deutschen Pass bislang immer über die Runden, ohne konditionell in Bedrängnis zu geraten. Im Gegenteil: Oft war er es, der seinen Gegner in den hinteren Runden entscheidend erwischte. Das bedeutet für Dirrell, dass er doppelt so viel Luft mitbringen muss, denn selbst ein „müder“ Abraham ist immer gut genug für den Knockoutschlag. Zudem hat Dirrell bisher nur einen Kampf über 12 Runden bestritten. Die Erfahrung spricht hier für Abraham. Fraglich ist vielleicht, wer mit der erneuten Kampfverschiebung besser zurecht kommt. Eigentlich hätte die Begegnung bereits am 06. März 2010 stattfinden sollen, sie wurde aber wegen einer Rückenverletzung des Amerikaners verlegt. Boxinsider vermuten hinter Dirrells Verletzung taktisches Kalkül wegen des schleppenden Kartenvorverkaufs, aber Abraham scheint für solche Mätzchen zu abgebrüht zu sein, daher: 10:9 4. Einstellung / Mentalität Abraham hat schon mehrfach bewiesen, dass er nervenstark ist. Er verdaute seinen Kieferbruch gegen Edison Miranda, gewährte ihm ein Rematch und besiegte den „Panther“ in den USA sozusagen in dessen Wohnzimmer. Umgekehrt zeigte Dirrell bei seinem Auswärtsstart in England gegen Lokalmatador Carl Froch einige Nerven und wirkte phasenweise unkonzentriert und kopflos. Dennoch hat der Amerikaner seine Feuertaufe bestanden, denn seine knappe Punktniederlage gegen Froch war äußerst umstritten. Dirrell ist sicher hochmotiviert und er wird alles daran setzen, um die ersten Punkte einzufahren. Außerdem hat Dirrell Heimvorteil und diesen Trumpf nun auf seiner Seite. 9:10 5. Schlagkraft Die Knockoutquote von 80,65 Prozent spricht eindeutig für den Deutschen. Seine Schlaghärte ist auch in der höheren Gewichtsklasse ausreichend und gefährlicher einzustufen als die Power von Dirrell (Knockoutquote: 68,42 Prozent). 10:9 6. Schnelligkeit Dirrells Kampfname lautet nicht umsonst „Matrix“. Er boxt schneller und beweglicher als Abraham. Dirrells Handgeschwindigkeit ist bemerkenswert, geht aber manchmal zu Kosten der Genauigkeit. Abrahams Explosivkraft ist jedoch nicht zu unterschätzen. Irgendwie gelingt es Abraham selbst schnellere Gegner zu überraschen. Dennoch geht die Runde an Dirrell, weil der Deutsche manchmal zu passiv agiert und der Amerikaner seine Fäuste gerne fliegen lässt. 9:10 7. Technik Boxtechnisch ist Dirrell der bessere Mann, auch wenn er gelegentlich zu Unsauberkeiten neigt oder eine Spur zu risikoreich abduckt oder ausweicht. Abraham hat seinen Boxstil zwar stetig verbessert, dennoch lässt er sich bei Schlagwechseln oft zu wilden Schwingern hinreißen. Dirrell bewegt sich besser und sieht boxerisch eleganter aus. Er ist ein guter Allrounder, der seine Technik am besten ausspielen kann, wenn er den Kampf kontrolliert. 9:10 8. Kämpferherz/Nehmerqualitäten In diesem Punkt ist Dirrell größtenteils noch ein unbeschriebenes Blatt. Bisher musste er noch nie wirklich an seine boxerischen Grenzen gehen oder schlimme Wirkungstreffer einstecken, auch wenn er gegen einen Aufbaugegner bereits zu Boden musste. Abraham wurde ebenfalls noch nicht oft schwer getroffen, sieht man einmal von seinem Kieferbruch gegen Miranda ab. Hier hat Abraham allerdings mit seiner legendären „Blutschlacht von Wetzlar“ echtes Kämpferherz bewiesen. 10:9 9. Defensive Die Doppeldeckung von Abraham ist berüchtigt und an dieser haben sich schon einige Boxer die Zähne ausgebissen. Dirrell arbeitet offener und mit langen Händen, einer guten Führhand und Stellungswechseln. Bei seiner Defensivarbeit geht der manchmal leichtsinnige Amerikaner mehr Risiko ein als der Deutsche mit seiner geschlossenen, kompakten Doppeldeckung. 10:9 10. Offensive Offensiv wirkt Abraham wegen seiner überfallartigen Angriffe gefährlicher als der Amerikaner. Dirrell versucht seine Treffer über Schnelligkeit und Finten herauszuboxen und vorzubereiten. Er hat eine starke Führhand. Abraham allerdings verfügt über den sogenannten Killerinstinkt. Immer wieder gelingt es ihm, jenen Schlag zu setzen, der den Kampf herumreißt. Überdies kann sich der ständige Auslagewechsel von Dirrell gegen den Deutschen als große Schwäche entpuppen. Bei seinen flinken Angriffen wechselt Dirrell gerne von der Rechtsauslage in die Linksauslage und umgekehrt. Das macht ihn gegen einen abwartenden Boxer wie Abraham, der auf seine Chance lauert, verwundbarer, da er durch den Wechsel in eine gefährliche Distanz gerät und abgeschossen werden kann, wenn er seine Beine nicht benutzt. 10:9 11. Ringintelligenz / Taktik Hier sind beim Deutschen einige Defizite bemerkbar. Oft verschläft er eine Begegnung in den ersten Minuten oder er schenkt Runden her, weil er sich zu viele Pausen nimmt und sich zulange hinter seiner Deckung verschanzt. Aber auch Dirrell offenbarte gegen Froch taktische Schwächen. Immer wieder ließ er sich auf unnötige Schlagwechsel ein, boxte zu risikofreudig und zuwenig punkteorientiert. Da Dirrell jetzt aber Heimvorteil genießt, steht Abraham mehr unter Zugzwang und der Amerikaner kann darauf hoffen, dass die Punktrichter seine Aktionen wohlwollender betrachten als bei seiner letzten Begegnung in England. 9:10 12. Unberechenbarkeit Mit seinen explosiven und überfallartigen Angriffen ist Abraham äußert unberechenbar. Dirrell kann in diesem Punkt noch nicht mithalten. Er bringt zwar viele Aktionen, die allerdings ein gewisses Muster erkennen lassen und ihn für den Deutschen berechenbarer machen als umgekehrt. Im Grunde lebt Dirrell vor allem von seiner Schnelligkeit und ist mit 19 Kämpfen auch unerfahrener als Abraham mit 31 Kämpfen. 10:9 Abschließende Prognose für BoxfansBeide Boxer in diesem Superboxturnier liegen nach der Gegenüberstellung (114:114) auf Augenhöhe. Vieles spricht für einen engen, ausgeglichenen Fight. Dirrell hat sicher die boxerischen Mittel, um Abraham auszuboxen und auf Distanz zu halten. Und vielleicht hat er sogar die Punktrichter auf seiner Seite, was den Ausschlag zu einem Punktsieg für den Amerikaner geben kann. Der Deutsche ist zwar stets für einen Knockoutschlag gut, doch es sprechen einige Punkte aus der Gegenüberstellung dafür, dass er gegen Dirrells Schnelligkeit und Boxtechnik wenig Mittel finden wird.
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